Kewpie - eine Chimäre

 

Wir sind es gewöhnt oder wünschen uns, dass Oleander immer gleich aussehen. Doch schon normalerweise erfahren wir, dass abhängig vom Licht, der Temperatur, der Saison die Blüten besonders in ihrer Farbe - manchmal auch in der Form - enorme Unterschiede aufweisen können. Das macht damit oft eine Bestimmung schwer.

 

Kaum jemand weiß, was eine ‚Chimäre‘ ist, insbesondere beim Oleander. Es geht also hier darum, das Phänomen der ‚Chimäre‘ unseren  Oleanderfreunden näher bekannt zu machen.

 

Besonders ausgeprägt ist diese Eigenschaft, wenn eine Pflanze, in diesem Fall der Oleander ‚Kewpie‘, eine Chimäre ist.  In vereinfachten Worten: Eine Chimäre entsteht als spontane genetische Mutation in einem Teil einer sonst normalen Pflanze.  Die Folge kann eine Pflanze mit Blüten mehrerer Farben sein. Normalerweise sind die meisten neuen Oleandersorten das Ergebnis der Hybridisierung (durch Bestäubung)  zweier verschiedener Pflanzen . (Robert Newding, Der lange Weg nach Hause).

 

Schon Elisabeth Head wusste über die Eigenart als ‚Chimäre‘ bei der neuen Oleander-Sorte Bescheid:

„ . . . Man sagte uns, wir müssten etwa vier verschiedene aufeinanderfolgende Vermehrungen durchführen, um sicher zu sein, dass die Sorte dauerhaft wäre, und dass sie nicht an ihre ursprüngliche Form zurückkehren würde, da sie einige einfarbige als auch einige panaschierte (bunte, buntgestreifte) Blüten zeigte. Wir wählten immer die Pflanzen aus,  die die meiste Panaschierung behielten, und so entschieden wir weiter, bis sie dauerhaft schienen . . .“

 

Auch Robert Newding erklärte, dass ‘Kewpie’ eine Chimäre ist wie 'Harriet Newding’. Das heißt, die Pflanze ist von Natur aus genetisch instabil. Zu jeder Zeit und an jedem Teil des Strauches, auch an demselben Zweig, können die Blüten anders als die bekannten panaschierten aussehen. 

 

Die Verschiedenartigkeit der Blütenformen und Blütenfarben.

Oleander 'Kewpie' , Oleander Haus
Oleander 'Kewpie' , Oleander Haus
Oleander 'Kewpie' , Oleander Haus

So kennen und wünschen wir unsere ‘Kewpie’ zu sehen. Die klassischen großen Blüten wie Windräder, die Blütenblätter schmal nach außen gedreht mit einer starken Panaschierung (stark rosa-weiß gestreift).

Oleander 'Kewpie' , Oleander Haus
Oleander 'Kewpie' , Oleander Haus
Oleander 'Kewpie' , Oleander Haus

Sie können aber auch anders: Die Streifung bleibt, die Art der Korona bleibt aber die Blüten sind rundlicher, keine Windräder mehr. Doch immer erkennt man noch leicht die ‘Kewpie’.

Oleander 'Kewpie' , Oleander Haus
Oleander 'Kewpie' , Oleander Haus
Oleander 'Kewpie' , Oleander Haus

Und da? Wenn man nicht wüsste, dass es sich um ‘Kewpie’ handelt, oder weil die Blüten  am selben Strauch oder am selben Ast stehen, könnte man auf den ersten Blick glauben, es ist einfach ein rosa Oleander. Das dritte Bild zeigt eine Mischform: Sieht aus wie eine ‘Kewpie’, ist aber nur rosa.

Generell muss man zur Farbe Rosa bei ‘Kewpie’ sagen, es ist ein Rosa, das zu Magenta tendiert.

 

Chimäre (Genetik)       Chimären gibt es bei Pflanzen, Tieren und Menschen.

„Chimäre nennt man in Medizin und Biologie einen Organismus, der aus genetisch unterschiedlichen Zellen bzw. Geweben aufgebaut ist und dennoch ein einheitliches Individuum darstellt.[1] Die unterschiedlichen Zellen eines solchen chimären Organismus stammen aus verschiedenen befruchteten Eizellen.[2] Ob die unterschiedlichen Zellen von Individuen der gleichen Art oder von verschiedenen Arten stammen, ist für die Definition unerheblich. Die Chimäre muss abgegrenzt werden vom Mosaik, in dem zwar . . .“

(Wikipedia deutsch, Wikipedia englisch ist wesentlich ausführlicher.)

 

 

Oktober 2020, Oleander Haus